Meine Freundin liebt Tiere. Und sie bewundert sie, unter anderem für ihre besonderen Fähigkeiten. All die Dinge, die wir Menschen nicht so gut können, machen die Tiere mit Leichtigkeit. Der Gepard kann unglaublich schnell rennen. Ein Delfin schwimmt schneller und eleganter, als jeder noch so trainierte Hochleistungssportler. Die Vögel vollführen am Himmel Kunststücke, von denen jeder Pilot nur träumen kann. Und der Kleiber kann sogar senkrecht die Bäume hinauf laufen. Wahnsinn. Aber ich möchte an dieser Stelle mal Partei ergreifen für den Menschen, der zwar nicht mit derartig herausragenden körperlichen Fähigkeiten ausgestattet ist, dafür jedoch in einem harten evolutionären Kampf seinen Verstand herausgebildet hat. Und dieses wunderbare Werkzeug macht ihn der Tierwelt komplett überlegen. Ein paar Beispiele gefällig? Bitten Sie doch mal einen Geparden, Ihre Steuererklärung auszufüllen. Da wird er höchstwahrscheinlich sofort das weite suchen und sich mit Höchstgeschwindigkeit aus dem Staub machen, denn in Steuerangelegenheiten ist ein Gepard komplett hilflos. Ein weiteres Beispiel? Lassen Sie sich doch einmal in einer Strafsache von einem Delfin beraten und sehen Sie selbst, wie er sofort ins Schwimmen gerät. Auch hier wird selbst dem Laien die Überlegenheit des vernunftbegabten Menschen gegenüber den Tieren sofort klar. Sollten Sie dennoch bis hierhin noch nicht überzeugt sein, dann lassen Sie sich doch mal bei Sturm und Eisregen von einer Schwalbe zu ihrem unaufschiebbaren Geschäftstermin fliegen. Sie werden sich wundern, wie ungeschickt diese ansonsten so begabten Flieger sich anstellen, einen simplen Instrumentenanflug in den Bordcomputer zu programmieren. Oder schicken Sie den nächsten Bauantrag für Ihr Carport an eine Termite. Man mag ja über Behörden denken, was man möchte, aber auch der langsamste Beamte wird Ihren Antrag schneller und gründlicher bearbeiten, als jede Termite, und das, obwohl diese Insekten ja von den sentimentalen Tierfreunden so sehr für ihre Baukunst bewundert werden. Weiterhin möchte ich, um Sie restlos von meinem Standpunkt zu überzeugen, noch folgende Szenarien anbringen: Wenn es mal wieder nötig ist, einen Krieg zu führen, so möchte ich mich auch ganz sicher nicht von einer Armee von Kleibern verteidigt wissen. Denn einen Panzer bedienen und ein Gewehr richtig halten, da ist der Kleiber völlig unbrauchbar. Selbst wenn er noch so toll senkrecht die Bäume hoch laufen kann, das hilft uns allen im Verteidigungsfall mal so gar nicht weiter, da stimmen Sie sicherlich zu.
Und wo wir gerade schon an die Zukunft denken (übrigens eine weitere Fähigkeit, die den Tieren komplett abgeht): Wenn die Erde eines Tages aufgrund einer nuklearen Katastrophe oder des Treibhauseffektes nicht mehr bewohnbar sein wird, möchten Sie dann den Kleiber am Steuer Ihres Rettungsraumschiffes erleben? Soll die Kolonie auf dem Mars dann etwa auch gleich von einem Kleiber geleitet werden? So ein ausgemachter Blödsinn: Auf dem Mars gibt es ja noch nicht einmal Bäume! Spätestens da wäre der Kleiber dann komplett fehl am Platz! Damit habe ich sogar meine Freundin überzeugt, und hoffe, dass auch Sie, lieber Leser (w/m/d) nun keine Zweifel mehr an der Tatsache hegen: Der vernunftbegabte Mensch ist und bleibt die Krone der Schöpfung.