Beim Segeln gibt es oben am Mast ein kleines Windfähnchen, das dem Segler anzeigt, wie der Wind relativ zu dem Boot und den Segeln weht.
Dieses Teil nutzt man, um die Anströmung der Segel im Wind zu optimieren.
Beim Segeln „hart am Wind“, was im Endeffekt bedeutet, daß man versucht, einen Kurs möglichst steil gegen den Wind zu fahren, achtet man darauf, den Winkel zwischen der Längsachse des Bootes und diesem Windfähnchen möglichst konstant auf dem optimalen Winkel zu halten.
Was passiert jetzt, wenn ein Segler, der so fixiert darauf ist, dass er möglichst „hart am Wind“ fährt, nur noch nach oben schaut und sich auf diesen Winkel zwischen Windfähnchen und Segelboot konzentriert? Und wenn sich dann der Wind langsam dreht, womöglich nach ein paar Stunden aus der gänzlich entgegengesetzten Richtung weht?
Richtig, der Segler, der sich nur darauf konzentriert, „gegen den Wind“ zu fahren, fährt plötzlich und ohne es zu merken in die entgegengesetzte Richtung.
Was hat das mit uns zu tun?
Viele von uns, die in den letzten Jahren konsequent ihrem inneren Kompass gefolgt sind, waren häufig auf einem gefühlten Gegenwindkurs unterwegs. Manche von uns haben sich womöglich so sehr daran gewöhnt, in ihrem Leben „gegen den Wind zu fahren“, daß wir, wie der Segler aus dem obigen Beispiel, gar nicht mehr auf den inneren Kompass gucken, sondern einfach weiterhin gegen Widerstände kämpfen, aus unserer Gewohnheit heraus.
Nun hatten wir ja auch viele Jahre lang die gleiche „Großwetterlage“ in dieser Welt. Jetzt aber, so scheint es mir, dreht sich der Wind ganz allmählich. Und da ist es an der Zeit, inne zu halten und dieses „auf Autopilot immer gegenan zu kämpfen“ bewusst zu unterbrechen. Mal auf den Kompass gucken und schauen, wie sich die aktuelle Windrichtung zu unserem Ziel inzwischen darstellt. (wissen wir überhaupt noch, was unser Ziel ist?)
Danach gilt es dann vermutlich, die Segel neu einzustellen, so daß der Wind, der jetzt aus der neuen Richtung kommt, uns optimal helfen kann, weiter in die gewünschte Richtung voran zu kommen.