Versicherungen

Es gab eine Zeit, in der ich sehr viel auf Versicherungen gegeben habe. Ich war unter anderem versichert für den Fall, daß meine Pilotenlizenz eines Tages wegen fehlender medizinischer Tauglichkeit nicht mehr gültig ist. Dann hätte ich jeden Monat eine stattliche Summe Geld bekommen und hätte davon dann leben können.

Es fiel mir sehr schwer, mich von dieser Versicherung zu trennen, obwohl sie mich jeden Monat gute 15% meines Gehalts kostete. Selbst, als ich irgendwann die Airline verlassen, mich als Pilot selbständig gemacht hatte und nun deutlich weniger Geld mit viel höherem Aufwand erwirtschaftete, blieb ich noch einige Zeit dabei und zahlte brav meine Beiträge.

Bis mir irgendwann dämmerte, daß ich doch mal in die Versicherungsbedingungen schauen sollte, und das tat ich dann auch. Und sehe da, die Tätigkeit als selbständiger Pilot war in den Versicherungsbedingungen gar nicht abgedeckt. So kündigte ich dann die seit Jahren obsolete Versicherung und erhielt ein paar Tausend Euros zurück. 

Nun war ich endgültig frei von allen Netzen und doppelten Böden. Weder die Festanstellung, die immerhin noch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gewährleistet hätte, noch die Versicherung (die ohnehin nie gezahlt hätte), konnten mir jetzt noch als Beruhigung dienen. Jetzt durfte ich wirklich lernen, was es bedeutet, dem Leben zu vertrauen. Und das tat ich. Mein Kalender war selten im Voraus gefüllt, meist riefen die Kunden kurz vorher an, aber sie riefen immer an. Ich hatte tatsächlich immer gut zu tun, auch wenn ich das selten planbar schwarz auf weiß im Kalender sehen konnte. Wie ein Segelflieger, der bei Blauthermik einen Streckenflug durchführt, und ohne den nächsten Aufwind zu sehen, wieder auf Kurs geht, vertraute ich mich auch den unsichtbaren Aufwinden an. Ich lernte auch, mutige Entscheidungen zu fällen, wie zum Beispiel im vollen Vertrauen auf etwas Besseres die Zusammenarbeit mit Kunden zu beenden, wo es einfach nicht mehr passte. Auch hier hat sich deutlich gezeigt, daß das, was ich vertrauensvoll erwarte, auch eintritt.

Das bringt mich zurück zu den Versicherungen.

Angenommen, es ist tatsächlich so, daß wir das, was wir erwarten, in unser Leben ziehen… Ist es dann wirklich sinnvoll, sich mit einer Versicherung gegen etwas abzusichern, was man überhaupt nicht in seinem Leben haben möchte? 

In dem Moment, wo ich realisiert habe, was für einen Impuls ich dem Leben mit einer solchen Versicherung gegeben habe, war es für mich sehr erleichternd, daß ich die jetzt los bin. 

Ich habe gelernt, daß wir durch das Offenhalten von Möglichkeiten unsere Energie auf verschiedene mögliche Realitäten verstreuen, statt unsere Energie voll und ganz auf die eine gewünschte Realität zu fokussieren. 

Damit bewegen wir uns viel langsamer und mit weniger Schärfe durch das Feld der Optionen. Wie zum Käseschneiden ein Messer mit einer ganz breiten stumpfen Klinge, oder sogar wie der Griff des Messers statt der Klinge zu nutzen. 

Ich habe also Jahre lang mit meiner Energie (meinem Geld) eine Möglichkeit offen gehalten, daß ich irgendwann nicht mehr fliegen darf. 

Also eine Realität, die mir persönlich überhaupt nicht zusagt, und die sich auch vom „großen Ganzen“ überhaupt nicht gewollt anfühlt. 

Solange das, was ich tu, im Fluss des Lebens stimmig ist, und ich nicht zu einseitig lebe, wird mir das auch nicht genommen werden. Solange ich nicht die anderen Anteile meiner Persönlichkeit einenge oder ignoriere, ist das Fliegen eine wertvolle Bereicherung meines Lebens, durch die ich mich in dieser Welt ausdrücken darf. Warum sollte ich mich gegen den Verlust einer mir von Gott gewünschten und geschenkten Möglichkeit versichern? Und sollten Gott und ich eines Tages unterschiedlicher Meinung sein, was meine Fliegerei anbetrifft, dann wird er sich sowieso durchsetzen, egal, wie sehr ich mich absichere. Und auch dann würde ich mit Möglichkeiten gesegnet sein, mein Leben zu leben genau auf die Art, die richtig für mich ist. Weil ich verstanden habe, daß das Leben es gut mit mir meint. Ich habe ihm genug Angriffsfläche gegeben, um mich mühelos zu „versenken“, und ich darf immer noch meinen Traum leben.

Von welcher Seite ich es auch betrachte, ich finde Versicherungen sind etwas, was durch ausreichend Optimismus und Gottvertrauen überflüssig wird. 

Ob das für Dich auch (schon) zutrifft, musst Du ganz selbstehrlich prüfen, da kann Dir niemand helfen. Wenn Du in Dir noch Zweifel hast, bringt es nichts, Dich selbst zu überholen. Dann wirst Du Dir vermutlich keinen Gefallen tun, die Versicherung zu kündigen. 

Wenn Du allerdings im Inneren spürst, daß Du auf Deinem Weg bist und das, was Du hast und was Du liebst, zu Dir gehört, dann kannst Du es loslassen und es wird Deins bleiben, auch ohne Versicherung. 

Was Dir sicherlich helfen kann ist, mal zurück zu schauen und bewusst nach Anzeichen zu suchen, daß Dein Weg geschützt und gefördert wurde, auch und gerade in unsicheren Zeiten. Daraus kannst Du dann für Dich ableiten, ob Du vielleicht auch Gründe hast, dem Leben mehr zu vertrauen.

Das würde mich für Dich sehr freuen.

Christian